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Krefelds Stadtarchäologe entdeckt seltenes Denkmal
Sensation in Deutschland

Sensationsfund
Untersuchung: Stadtarchäologe Dr. Hans Peter Schletter hat im Krefelder Ausgrabungsbestand eine Entdeckung gemacht, der zu einer deutschlandweiten archäologischen Sensation werden kann FOTO: Stadt Krefeld/Senger
Krefeld . Eine Siegestrophäe, die die Römer nach gewonnener Schlacht aufzustellen pflegten, gibt es in ganz Deutschland nicht. Einzige Ausnahme: Krefeld. Eine archäologische Sensation. Von der Redaktion

 

"Die Folge war keine Schlacht, sondern ein Schlachten", schildert der römische Historiker Tacitus (58 bis 120) in seinen "Historien" den blutigen Kampf zwischen den germanischen Batavern und den Römern in Gelduba, einem heutigen Stadtteil von Krefeld.

Nur durch einen glücklichen Zufall konnten die römischen Legionäre die Schlacht doch noch gewinnen. Für diesen Sieg hat Krefelds Stadtarchäologe Dr. Hans Peter Schletter wohl einen in Deutschland einzigartigen Fund gemacht: die Spuren von zwei "Trophaea", zwei Sieges-Denkmälern.

Diese Entdeckung wird Dr. Schletter auf dem internationalen Unesco-Limes-Kongress im serbischen Belgrad Anfang September vorstellen.

Mit dem Tod Kaiser Neros im Jahr 68 entbrannte eine heftige Auseinandersetzung um seine Nachfolge. Diese innere Unruhe im Römischen Reich nutzte der Stamm der Bataver für eine Rebellion. Bei Gelduba lagerten im Herbst 69 rund 12 000 römische Legionäre und Hilfstruppen, um den Aufstand niederzuschlagen.

Die Römer bauten ein Trophaeum an der Stelle auf, an der sich eine Schlacht wendete und die Feinde flüchteten. Das Trophaeum bestand aus einem Baumstamm oder Holzpfahl, an dessen Spitze ein Helm angebracht wurde.

Waffen, Panzer und Rüstung der Unterlegenen wurden am Pfahl befestigt und abgelegt. Während es in den Niederlanden und Großbritannien Hinweise auf ein Trophaeum gibt, konnte in Deutschland bislang keines nachgewiesen werden.


In Krefeld hat Dr. Schletter nun zwei entscheidende Indizien dafür gefunden – zwei kultische beigesetzte Helme.  Dass die beiden Helme nicht zufällig im Schlachtgetümmel verloren gingen, dafür spricht die besondere Fundsituation: Sehr ordentlich wurden beide Helme mit ihrem Oberteil nach unten in den Boden eingelassen.

Ihre Wangenteile wurden abmontiert, säuberlich gefaltet und in den Helmen abgelegt. "Das muss ich wollen. Das ist kein Zufall", betont Schletter. Die nahe gelegenen Fundorte markieren den Abschluss des Schlachtfeldes.

Nach fast 2000 Jahren im Boden sah der 2017 gefundene Helm nur nach einem Rostklumpen aus. Museumsrestauratorin Eileen Wolff hat ihn in vielen Stunden und mit Präzisionsarbeit gesichert und Details wieder sichtbar gemacht.

 "Das sind römische Hightec-Produkte", sagt der Stadtarchäologe über die Helme. Solche Helme ließen Römer oder ihre Gegner nicht auf den Schlachtfeldern zurück. Noch ein Grund mehr davon auszugehen, dass die in Krefeld beigesetzten Helme absichtlich vergraben wurden.

Der Krefelder Archäologe hat seine Untersuchung zwar noch nicht abgeschlossen. Doch die bis jetzt zusammengetragenen Indizien sprechen dafür, dass er in Krefeld zwei Trophaea-Standorte entdeckt hat – das wäre eine kleine, archäologische Sensation.

Übrigens: Von der Niederlage in Krefeld erholten sich die aufständischen Bataver nicht mehr. Im folgenden Jahr wurden sie bei Xanten endgültig besiegt.