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Hülser Verein
Schulfach therapeutisches Reiten

Schulfach Reiten für Behinderte
Schulfach Reiten für Behinderte FOTO: jps
Krefeld. Der Reit- und Fahrverein Hüls hat rund 30.000 Euro in sein Behindertenreiten auf dem Pasternhof gesteckt. Das Projekt gilt in der Region als einzigartig. Die Sparkassenstiftung Sport & Umwelt Krefeld ist mit im Boot. Von Jan Popp-Sewing

Im Sattel hat Celine die Übersicht. Sichtlich genießt die Elfjährige die geführten Runden in der Reithalle auf dem Rücken des geduldigen Hengstes Walther. Sie hält sich an speziellen Griffen fest, die zu einem Extra-Gurt gehören, mit dem die Therapiepferde ausgestattet sind. Noch auf dem Rückweg aus weicht das Grinsen nicht aus dem Gesicht der Förderschülerin.

Immer wieder hatte die Fünftklässlerin bei Sabine Keller, Konrektorin der Krefelder Gerd Jansen-Schule, nach neuen Reitstunden gefragt. In der Förderschule gehört Behindertenreiten zum Standardprogramm der dritten Klasse, die Konrektorin ist Mitinitiatorin des Programms. So lernte auch Celine die Welt der Pferde kennen. Jetzt bekam sie bei einer Projektwoche der Schule erneut die Gelegenheit.

Therapeutisches Reiten gibt es beim Hülser Verein bereits seit 1975. Damals wollte die behinderte Schwester einer Reitschülerin nicht immer nur zuschauen, sondern selbst im Sattel sitzen. Nun hat der Verein sein Konzept mit einem Aufwand von rund 30.000 Euro weiterentwickelt.

Das Geld fließt in 4000 Euro teure Lehrgänge für zwei Trainer. Für 4500 Euro wurde der heute neunjährige Warmblüter Aladin gekauft. Er wird im Verein trainiert. Außerdem wurde eine Behindertentoilette und eine Auf- und Abstiegshilfe (in der Wand der Reitfläche) eingebaut.

Der Hülser Verein ist der einzige ehrenamtliche Anbieter von therapeutischen Reitstunden für Kinder- und Jugendliche mit geistigem oder körperlichem Handicap.

Der Umgang mit dem Pferd fördert Gleichgewichtssinn, Grob- und Feinmotorik, das Gemeinschaftsgefühl in der Gruppe - und nicht zuletzt das Selbstvertrauen. Eingebunden in die Stunden der Drittklässler sind zwei Sonderschullehrerinnen, eine Heilpädagogin und eine Ergotherapeutin. Der Verein schreibt Inklusion groß: Unter den ca. 450 Mitgliedern finden sich inzwischen auch 40 Behinderte. Die Nachfrage ist so groß, dass der Verein am liebsten eine zweite Halle bauen würde.

Bei der 2013 gegründeten Krefelder Sparkassenstiftung Sport & Umwelt überzeugte das Projekt. Die Stiftung förderte es mit 6500 Euro. Sie sucht übrigens noch weitere nachhaltige Projekte, die sie unterstützten kann.