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Schreckgespenst Cholesterin?

Schreckgespenst Cholesterin?
Krefeld (red.). Cholesterin hat einen schlechten Ruf. Cholesterin-reduzierte Lebensmittel finden sich in fast jedem Supermarkt. Was ist dran an der Geschichte vom schädlichen „Blutfett“? Von Jan Popp-Sewing

Eigentlich ist Cholesterin nichts Schlechtes – als lebenswichtiger Bestandteil unserer Zellmembranen ist es entscheidend für die Bildung von Hormonen, Vitamin D und Gallensäuren. Steigen jedoch die Cholesterinwerte zu stark an, können im Zweifel ernste Krankheiten entstehen. „Wenn die Werte zu hoch sind, kann sich das Cholesterin in den Arterien ablagern“, erklärt Sigrid Kalde von der Ernährungsberatung im Helios Klinikum Krefeld. „Eine Arterienverkalkung kann dann wiederum zu Herz-Kreislauf-Krankheiten oder sogar zum Herzinfarkt, zu Nierenerkrankungen oder zum Schlaganfall führen.“

Im Ernstfall helfen hier cholesterinsenkende Mittel. Vorbeugend kann man jedoch auch schon mit einer Ernährung, die Herz und Gefäßen gefällt, viel tun, so Sigrid Kalde. Mit ihren zwei Kolleginnen berät sie regelmäßig Patienten. „Meiden sollte man sehr cholesterinreiche Lebensmittel wie Innereien, fettreiche Fleisch- und Wurstwaren oder Meerestiere.

Außerdem sollte man nicht zu viele Eier essen, da das Eigelb viel Cholesterin enthält – gegen ein Frühstücksei spricht aber absolut nichts. Gehärtete Fette sind auch nicht günstig – sie kommen oft in Margarine, Knabbereien wie Chips oder in Fertigprodukten vor.“ Auch von regelmäßigen Besuchen an der Imbissbude und zu viel Alkohol rät das Ernährungsteam ab.

Gut sind hingegen Omega-3-Fettsäuren, die vor allem in Fisch wie Hering, Thunfisch oder Makrele vorkommen, außerdem in Raps-, Oliven- oder Leinöl. Als besonderen Tipp empfehlen die Beraterinnen Knoblauch – er weitet die Blutgefäße. „Am besten ist generell eine fettarme, ballaststoffreiche Ernährung mit fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag.“ Einkaufen geht man am besten zu Fuß – denn auch Bewegung hilft gegen zu viel Cholesterin. „Ein höheres Risiko haben Menschen mit Übergewicht“, erklärt die Expertin. „Außerdem Raucher und Patienten mit Bluthochdruck oder Diabetes.“

Eine gesunde Ernährung reicht nicht in allen Fällen aus. „Nur 20 Prozent unseres Cholesterins nehmen wir mit der Nahrung auf“, erklärt Dr. Friedhelm Späh, Leitender Oberarzt im kardiologische Herzteam am Klinikum. „80 Prozent produziert der Körper selbst. Allerdings steigt der Cholesterinspiegel mit zunehmendem Alter an. Deshalb macht in vielen Fällen auch die Einnahme von Medikamenten Sinn, um den Wert wieder auszugleichen. Das macht man entweder, wenn die Patienten schon einen Befund haben oder auch vorbeugend gegen Herz-Kreislauf-Krankheiten oder einen Schlaganfall.“ Männer ab etwa 40 Jahren und Frauen ab 50 sollten ihre Blutwerte besonders gut im Blick behalten, rät der Fachmann – vor allem dann, wenn noch andere Risikofaktoren hinzukommen. Mit neuen Medikamenten bekomme man die Ablagerung in den Arterien heute immer besser in den Griff. Darüber hinaus gibt es noch die Veranlagung für einen zu hohen Cholesterinspiegel, der vererbt werden kann – unabhängig von der Ernährung.

(City Anzeigenblatt Krefeld II)