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Wiedergeburt des "alten" Musicals
Otello: Musikkomödie im Retro-Stil

Wiedergeburt des "alten" Musicals: Otello: Musikkomödie im Retro-Stil
Wer ist der echte Otello?: Die Belegschaft eines Opernhauses der 30er Jahre scheint irritiert. Regisseur Ansgar Weigner hat die Verwechslungskomödie in Krefeld mit großem Choraufgebot inszeniert. Die Niederrheinischen Sinfoniker spielen live unter Leitung von Andreas Fellner. FOTO: Stutte
Krefeld . Das Broadway-Musical "Otello darf nicht platzen" feierte am Samstag seine Krefeld-Premiere. Von Ernst Müller

Endlich eine Komödie, in der man wirklich lachen kann. Liebe und Verwechselungen mit happy end. Boulevard pur. Endlich eine komplett naturalistische Kulisse (zwei voll eingerichtete Zimmer), statt der üblichen Abstraktion auf nackter Bühne. Das Ganze aufgepeppt mit flottem Gesang und live musiziert von den Niederrheinischen Sinfonikern. Ein Spaß- und Wohlfühl-Abend par excellence.


Mit "Otello darf nicht platzen" nimmt das Stadttheater nach "Monty Python´s Spamelot" und "My Fair Lady" ein drittes Musical ins Programm. Diesmal eine Fremdproduktion vom Theater Bremerhaven. Der rasende Applaus am Ende der Vorstellung belegt, dass die Rechnung auf einen weiteren Publikumshit aufgehen dürfte.


Die Freude an der Befriedigung traditioneller Bedürfnisse überdeckt leicht die Schwächen des Stücks. Die Komödie wurde in den 80er Jahren geschrieben und in den 2000-er Jahren zum Musical erweitert.

Sie wirkt aber wie eine Produktion von ehedem. Als habe Komponist Brad Carroll Maß an den "alten" US-Musicals wie "Hello Dolly" genommen.

Deren musikalische Highlights werden sogar noch überbetont. Zwar spielt die Handlung in den 30er Jahren, aber Sound und Stil sind ebenfalls in dieser Zeit stecken geblieben. Es ist ein wenig so, als wolle ein Filmemacher heute einen Western drehen und nähme Maß an den alten John-Wayne-Filmen.


Darüber hinaus sind Text und Inszenierung mit Kraftausdrücken und ordinären Anspielungen versehen. Das hält sich zum Glück in Grenzen, ist aber dennoch überflüssig. Wer auf diese Weise Lacher provozieren will, scheint seiner eigenen Komödienkunst nicht zu trauen.


Was die Aufführung zum Genuss werden lässt, ist das phänomenale Spiel der Darsteller. Insbesondere Andrea Matthias Pagani füllt seine Rolle als umschwärmter Opernstar sprachlich und mimisch so perfekt aus, dass echte Faszination von ihm ausgeht.

Auch Lukas Witzel als zunächst schmächtiger Regieassistent, der sich zum großen Opernsänger mausert, begeistert. Vor allem gesanglich bieten die Darsteller hervorragende Leistungen.


Leider verhindert die Akustik im Raum zuweilen die Verständlichkeit beim Chorgesang und die Mikrofonanlage gerät hin und wieder ins Knarzen.


Insgesamt können die kleinen Schwächen den unterhaltsamen Abend nicht beeinträchtigen. Das Publikum hat sich großartig amüsiert und spendete am Ende (stehend) einen derart stürmischen Applaus, dass das glückliche Ensemble die schmissige Schlusssequenz gleich wiederholte.
 
 Weitere Aufführungen:
24. März (18 Uhr); 8. (16 Uhr), 19. April; 8. , 25. Mai; 29. Juni; 8. Juli.
Karten an der Theaterkasse, Tel.: 02151/ 805-125.