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Marodes Seidenweberhaus
Neubau am Theaterplatz oder Kesselhaus an der Girmesgath?

Marodes Seidenweberhaus: Neubau am Theaterplatz oder Kesselhaus an der Girmesgath?
FOTO: Popp-Sewing
Krefeld. Das alte Seidenweberhaus ist nach 2020 Geschichte. Die Verwaltung wird der Politik am Donnerstag zwei Vorschläge machen: Abriss und Neubau am Ostwall (Theaterplatz-Seite) oder Umbau des Kesselhauses an der Girmesgath. Von Jan Popp-Sewing

 

Dass der Planungsausschuss übermorgen sofort über das Großprojekt entscheidet, ist unwahrscheinlich. Planungsdezernent Martin Linne schlägt vor, beide Varianten durch externe Event-Experten durchrechnen zu lassen.

Aus seinem Favoriten macht Linne kein Geheimnis: Der Dezernent präferiert den Umbau des Kesselhauses im Mies-van-der-Rohe-Businesspark zur schicken "Location" mit einem Saal für 1000 bis 1100 Besucher.

Für den Stadtplaner gibt letztlich der Charme des einstigen Industriebetriebs den Ausschlag. Hallen, die die Metamorphose von der Produktionsstätte zum Veranstaltungsort durchlaufen hätten, entwickelten eine ganz besondere Anziehungskraft.

Solche Orte weckten das Interesse von Veranstaltern, die nie eine Stadthalle buchen würden, und sei sie noch so modern. Linne verwies auf die Erfolgsgeschichte von Industrierelikten wie der Zeche Zollverein in Essen oder der ehemaligen Kraftzentrale im Landschaftspark Duisburg-Nord.

Finanziert würde ein ca. 31,4 Millionen Euro teurer Umbau des Kesselhauses (das dem Krefelder Unternehmer Reiner Leendertz gehört) durch Privatinvestoren. Die Stadttochter Seidenweberhaus GmbH würde den Umbau nach ihren Vorstellungen begleiten und schließlich Pächter werden für ca. 1,67 Millionen Euro pro Jahr.

Nachteil: Das Kesselhaus an der Girmesgath liegt außerhalb des Stadtzentrums. Auch die nötigen Stellplätze müssten neu geschaffen werden. Und man müsste sich Gedanken machen, was mit dem dann funktionslosen Seidenweberhaus passiert. Linne schlägt für diesen Fall einen Architektenwettbewerb für den Theaterplatz vor.  

Die Alternative wäre ein Abriss des Seidenweberhauses und ein Neubau am Theaterplatz - allerdings nicht an alter Stelle, sondern versetzt zum Ostwall hin.

Die Verwaltung könnte sich hier einen Komplex aus modernen Veranstaltungssälen, einem Hotel, Büros und Gastronomie vorstellen. Auch hier könnte ein Privatinvestor die Kosten (ca. 34 bis 50 Millionen Euro je nach Umfang) vorfinanzieren, die Stadt würde Mieter des Eventbereichs.

Nachteil. Es wäre bei einem Saal mit bis zu 1100 Plätzen die vergleichsweise teurere Lösung. Ein Neubau am Ostwall würde den Blick auf Mediothek und Stadttheater verdecken - und hätte nicht den Charme wie z.B. das Kesselhaus.

Eine Sanierung des 1976 eröffneten Seidenweberhauses würde sich nicht mehr lohnen. Wie viel der Betrieb der Veranstaltungsstätte die Stadt eigentlich kostet, ist unklar. Im Raum stehen etwa zwei Millionen Euro pro Jahr.  Auch könnten zwischen Abriss und Neubau ca. drei Jahre lang keine Veranstaltungen stattfinden.

"Die Entscheidung wird die Stadt auf Jahrzehnte prägen. Wir wollen die Diskussion und am Ende den besten Entwurf", so Linne.