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NS-Doku-Stelle sucht private Zeugnisse
Was in Schubladen schlummert

Nazi-Zeit
Sammlung: Historikerin Sandra Franz zeigt Besuchern gern die Ausstellung in der Villa Merländer zur Geschichte der Nazi-Zeit und des Krieges in Krefeld. Viele Schriftzeugnisse sind in Schubladen und an Info-Tafeln einzusehen. Auch Objekte veranschaulichen authentisch das Kolorit der Zeitepoche. FOTO: Müller
Krefeld. Wer hat noch Gegenstände oder Schriftliches aus der Nazi-Zeit zu Hause? Krefelds Doku-Stelle übernimmt sie gern. Von Ernst Müller

"Wir benötigen die Hilfe der Krefelder", ermuntert Sandra Franz, doch mal in Keller oder Speicher nachzuschauen.


Die neue Leiterin der NS-Dokumentationsstelle möchte die Dauerausstellung in der Villa Merländer an der Friedrich-Ebert-Straße 42 erweitern. "Dazu suchen wir Dokumente, Fotos, Zeitungsartikel, Lebensmittelkarten oder auch Fahnen aus der Zeit von den 20er Jahren bis in die 50er Jahre", erklärt die Historikerin. Alles, was die Epoche von Weimarer Republik, Nazi-Zeit, Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit anschaulich macht.

"Tagebücher wären ein Traum", freut sich Sandra Franz über Aufzeichnungen, die das Alltagsleben in Krefeld während dieser Epoche widerspiegeln. Ebenso Zeugnisse aus der Kriegsgefangenschaft sind bedeutsam.
Die Ausstellung in der Villa Merländer dokumentiert schwerpunktmäßig die Judenverfolgung, wie sie in Krefeld während der Nazi-Zeit stattgefunden hat. Aber auch ein Luftschutzbunker aus dem Bombenkrieg ist authentisch eingerichtet.


Die Forschung weist noch viele Lücken auf: "Die Opfer der Zwangssterilisierung, der kommunistische Widerstand, die unangepasste Jugend, das Schicksal von Sinti und Roma, von Homosexuellen", listet Sandra Franz Beispiele auf. Um Informationen über die Behandlung homosexueller Frauen zu erhalten, hat sie Kontakt mit der Gedenkstätte des ehemaligen Frauenlagers Ravensbrück aufgenommen.


Franz hofft, dass im Nachlass älterer Krefelder Bürger noch manch verwertbares Zeugnis über das Leben dieser Epoche schlummert, das vielleicht von Kindern und Enkeln beim Aufräumen entdeckt wird. "Es gibt keinen Grund, sich für solche Dokumente zu schämen", betont die Wissenschaftlerin, "wir begegnen niemandem mit erhobenem Zeigefinger." Auf Wunsch werden Dokumente auch anonymisiert.


Sandra Franz kommt auch zu Besuch nach Hause, wenn ältere Menschen mit ihren Materialien nicht ins Archiv gelangen können. "Für uns sind viele Unterlagen wichtig, deren Bedeutsamkeit den Besitzern gar nicht immer ins Auge fällt", hebt sie hervor. Denn vielfach ergänzen neue Funde die bereits vorhandenen und runden ein Bild ab.

Wer Sandra Franz kontaktieren möchte:
Tel.: 02151 / 50 35 53
sandra.franz@krefeld.de