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Downhill in Krefeld
Naturerlebnis mit Nervenkitzel

Downhill in Krefeld: Naturerlebnis mit Nervenkitzel
FOTO: Samla
Krefeld. Downhill Mountainbiking ist beliebt - auch in Krefeld. Der Verein Home Trail Krefeld wagt den Schritt aus der Illegalität und möchte mit Hilfe der Stadt am Inrather Berg eine offizielle Strecke installieren. Von Peter Reuter

 

Meister fallen nicht vom Himmel, dafür aber in seltenen Fällen vom Fahrrad. Wenn auch nicht gewollt. "Aber das gehört zu unserem Sport einfach auch dazu", sagt Steve Misselwitz.

Downhill-Mountainbiking ist seine Leidenschaft, die in Krefeld mittlerweile mehr als ein Nischendasein fristet. Nicht umsonst zählt der Verein "Home Trail Krefeld" aktuell fast 30 Mitglieder, Tendenz vor allem bei Kindern und Jugendlichen steigend.

Beim Downhill (Abfahrt) gilt es eine bergab führende Strecke in kürzester Zeit zu fahren und dabei Steilkurven, Sprünge und natürliche Hindernisse zu überwinden. "Training, Streckenkenntnis und eine gesunde Selbsteinschätzung sind dabei sehr wichtig", weiß Misselwitz.

Jens Nowicka (r.), erster Vorsitzender, und Steve Misselwitz (3.v.r.), zweiter Vorsitzender, mit einigen Home Trail Krefeld-Mitgliedern an der Strecke. FOTO: Samla

Krefelds Downhill-Mekka ist seit fast zwanzig Jahren der Inrather Berg. Allerdings bewegen sich die Radsportler dort in der Illegalität, denn offiziell dürfte es die fast 500 Meter langen Routen dort gar nicht geben, regelmäßig wurden sie von der Stadt stillgelegt.

"Deswegen sind wir als Verein in Gesprächen mit den entsprechenden Ämtern", erklärt Jens Nowicka, der erste Vorsitzende des Vereins. Ziel ist es eine genehmigte MTB Strecke ("Trail" genannt) in Krefeld zu errichten, um dem stark wachsenden Sport auch am Niederrhein eine legale Plattform zu bieten.

"Nur unter Voraussetzung gegenseitiger Rücksichtnahme", sagt die Stadt, schließlich handele es sich um ein Areal, dass von Spaziergängern, Hundebesitzern oder Joggern ebenfalls gern genutzt wird.

Noch viel Arbeit für Krefelds Mountainbiker

85 Höhenmeter misst der Inrather Berg. Nicht gerade alpine Verhältnisse, aber genug, um dort einen abwechslungsreichen und herausfordernden Trail "vor der eigenen Haustüre" zu installieren (die nächste offizielle Strecke gibt es an der Halde Norddeutschland und in Wuppertal).

"Unser Wunsch wäre eine Strecke von 750-800 Metern zu erstellen mit unterschiedlichen Linien und Schwierigkeiten", erklärt Steve Misselwitz. Doch dafür muss der Verein mit seinen Mitgliedern noch einiges leisten.

"Wir haben bereits Begehungen mit Verantwortlichen der Stadt hinter uns. Zuletzt haben wir eine Karte eingereicht, auf der sowohl die alte als auch die neue Strecke GPS-genau verzeichnet sind. Es ist natürlich in unserem Interesse, dass sich in dem Areal keiner in die Quere kommt, wir wollen ein gesundes Miteinander", erklärt Nowicka.

FOTO: Samla

Darüber hinaus müsse laut Stadt genau abgeklärt werden, wie und wo beschildert wird und wie Gefahrenstellen, vor allem bei den Wegquerungen, entschärft werden können, so dass Unbeteiligte nicht zu Schaden kommen.

"Üblicherweise werden vor solchen Querungen Hindernisse wie Steilkurven installiert, die den Fahrer automatisch dazu veranlassen, Schrittgeschwindigkeit zu fahren", versichert Misselwitz. Ihm und seinem Verein gehe es jedoch nicht nur um die offizielle Strecke, sondern um einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur und die Entwicklung lebendiger Strukturen.

Denn so hätte der Verein eine andere Handhabe gegenüber Leuten, die wild fahren oder ihren Müll liegen lassen. Man könnte noch mehr Interessierte dazu bewegen, den Sport auszuprobieren, schließlich habe Deutschland eine der größten Downhill-Szenen weltweit. Darüber hinaus gäbe es klare Bestimmungen, was den Versicherungsschutz angeht.

Letzteres dürfte wohl auch einer der entscheidenden Punkte für die Stadt sein, von der der Verein das Gelände dann pachten möchte. Beteiligt bei den Gesprächen und Planungen sind neben dem Fachbereich Grünflächen das Regionalforstamt Niederrhein der Landesforstverwaltung (Landesbetrieb Wald und Holz NRW) und der Fachbereich Umwelt, da es sich bei dem Inrather Berg um ein Landschaftsschutzgebiet und um eine Altlast mit Bauschutt handelt.

"Die Gespräche waren bisher aber durchaus positiv, es hat sich einiges getan. Wir würden uns freuen, wenn es so weitergeht", hofft Steve Misselwitz.

 

INFO Der Verein Home-Trail Krefeld möchte sich aktiv an der Jugendförderung beteiligen und bietet ab April auch für Jugendliche ab sieben Jahren Trainingsfahrten, Techniktraining oder gemeinsame Touren an. Für spezielle Fahrtechnikkurse und Trainingsfahrten steht Sam Wrobbel zur Verfügung. Weitere Infos auf www.home-trail.de