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Multiresistente Erreger im Fokus

Multiresistente Erreger im Fokus
V.l.n.r.: Prof. Dr. Rudolf Leuwer, Ärztlicher Direktor Helios Klinikum Krefeld, Dr. Katrin Kösters, „Antibiotic Stewardship“ am Helios, Elizabeth Becker-Boost, Regionalkrankenhaushygienikerin, Prof. Ralf Kuhlen, Konzerngeschäftsführer Medizin der Helios Kliniken, Prof. Henning Rüden, Beratender Krankenhaushygieniker der Helios Kliniken, Dr. Christian Becker, „Antibiotic Stewardship“ am Klinikum Krefeld. FOTO: jps
Krefeld (red./jps). Keime, die gegen mehrere Antibiotika resistent werden, werden zum Problem. Krankenhäuser können etwas dagegen unternehmen. Von Jan Popp-Sewing

Wenn Antibiotika versagen, können bakterielle Infektionen lebensbedrohlich werden. Eine verantwortungsvolle antimikrobielle Therapie wirkt der Resistenzbildung gezielt entgegen. Dazu leistet die auch als Antibiotic Stewardship (ABS) bezeichnete Qualitätssicherung am Helios Klinikum Krefeld einen wichtigen Beitrag.

Mehr Resistenzen, aber keine neuen Antibiotika – das Problem ist ein weltweites. „Die Nachteile wurden lange Zeit kaum gesehen. Auch die Einsicht, dass eine Antibiotikatherapie nie biologisch neutral und mit Verantwortung verbunden ist, hat sich erst allmählich durchgesetzt“, erklärt Dr. Christian Becker, Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie. Grund dafür ist eine zunehmende Widerstandsfähigkeit bakterieller Krankheitserreger gegen Antibiotika, die bei unkritischem Einsatz noch beschleunigt wird. Mikrobiologische Visiten und eine kritische Evaluierung wie am Helios Klinikum Krefeld helfen, vorhandene Ressourcen zu stärken und wichtige Reserveantibiotika für Patienten vorzuhalten, die keine andere Therapieoption mehr haben.

Noch bevor mikrobiologische Befunde vorliegen, müssen Intensivmediziner anhand des Krankheitsbilds, der Vorgeschichte und des Patientenalters erschließen, welche Keime wohl vorliegen ist und die Antibiotikatherapie kalkuliert beginnen. Je kränker ein Patient ist, desto weniger Spielraum bleibt. Sind Keime und Resistenzen bestimmt, wird die Ersttherapie angepasst. Ziel ist es, Breitbandantibiotika zu reduzieren und kürzer und intensiver mit Schmalspektrum-Antibiotika zu behandeln. Damit kann die Wahrscheinlichkeit der Selektion und Übertragung von resistenten Erregern langfristig gesenkt werden.

Die mikrobiologische Visite, anhand der Patientenkurven oder auch am Bett der kritisch kranken Patienten, dient der Überprüfung und Anpassung der antibiotischen Therapie. Ein wichtiger Schritt, dem Problem der Antibiotikaresistenz zu begegnen. Auf dem Prüfstand stehen die Auswahl, Dosierung, Anwendungsdauer und Effektivität.

Die Klinikleitung legt Wert darauf, die Infektionszahlen zu erfassen und stellt diese wochenweise ins Netz (leider ist europaweit nur eine überschaubare Anzahl Krankenhäuser schon so weit). Dabei stellte sich heraus, dass von 100 Krefelder Patienten mit multiresistenten Keimen 93 die Erreger schon vor dem Betreten der Klinik in sich trugen. Nur sieben Prozent der Betroffenen (in Zahlen: 5,59 pro 1000 Patienten) infizieren sich in der Klinik. Das Klinikum liegt damit besser als der Bundesdurchschnitt.

(City Anzeigenblatt Krefeld II)