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Blitzgrabung mit 3300 Funden
Mit der Schaufel in die Römerzeit

Eisenzeitliches Gräberfeld entdeckt
Eisenzeitliches Gräberfeld entdeckt FOTO: jps
Krefeld. Am Mittwoch endet in Gellep eine der bedeutendsten archäologischen Grabungen des Landes. Das Aufarbeiten der Funde wird Jahre dauern. 2019 soll es eine erste Ausstellung im Museum Burg Linn geben.


Das Jahr 69. n. Chr fiel am Niederrhein blutig aus. Germanische Stämme rannten gegen die Rheingrenze des römischen Reichs an. Im Raum des heutigen Gellep hinter Gräben und Palisaden verschanzte römische Legionäre lieferten sich erbitterte Kämpfe mit etwa 20.000 Aufständischen, viele davon beritten. Bei der Grabung kamen allein 20 Pferdeskelette aus dieser Zeit zum Vorschein.

Nach ihrem Sieg setzten sich die Römer erst recht in Gellep fest - einem Rheinhafen, gelegen etwa auf halbem Weg zwischen ihren Stützpunkten in Neuss und Xanten.

Ca. 71 n. Chr. bauten die Römer ein Kastell für teilweise berittene Hilfstruppe: Gelduba. An der Straße zum Lager entwickelte sich eine zivile Hafensiedlung mit Werkstätten, Läden, Wohnhäusern und üblen Spelunken. Just in den Grundmauern dieses für die Forscher hochinteressanten Ortes gruben die Archäologen.

Sie fanden zum Beispiel Reste einer Räucherkammer und eines römischen Brennofens mit zwei Meter Durchmesser zur Herstellung von Dachziegeln (aus dem zweiten oder dritten Jahrhundert). Auch rund 500 römische Münzen, ein Legionärshelm und kistenweise Keramikscherben kamen zum Vorschein.

Die insgesamt 3300 Funde bieten einen Querschnitt durch die Geschichte des Ortes: Jahrhunderte, bevor die Römer kamen, lag hier bereits ein wohl durchaus wohlhabendes Dorf.

Die Asche der Toten wurde in der Zeit um ca. 800 bis 450 v.Chr in Tongefäßen bestattet. Die Archäologen unter der Leitung von Dr. Hans-Peter Schletter stießen auf einen ganzen eisenzeitlichen Urnenfriedhof.

Das Ausgräber-Team hatte letztlich zehn Monate Zeit, um das Areal in der Größe von fünf Fußballfeldern abzusuchen (sie lieferten sich dabei einen Wettlauf mit kriminellen Raubgräbern). Auf der Fläche soll Europas größte Industriemühle entstehen.

Für die Archäologen war das letztlich ein Glücksfall, denn Mühlenbetreiber "GoodMills" finanzierte die Grabung mit ca. 100.000 Euro und gab den Ausgräbern buchstäblich bis zum Anrollen der ersten Baufahrzeuge Zeit.