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70 Schüler und 10 Pferde suchen neues Zuhause
"Meine Reitschule darf nicht sterben"

70 Schüler und 10 Pferde suchen neues Zuhause: "Meine Reitschule darf nicht sterben"
Hält die Zügel fest in der Hand: Carolin Hell pflegt in ihren Schülergruppen zwar einen kameradschaftlichen Umgang unabhängig vom Alter, aber ihre Kommandos und Anweisungen beim Training gelten als verbindlich. Die Mischung kommt bei den Kindern und Jugendlichen gut an. Sie verbringen auch außerhalb des Reitunterrichts viel Zeit mit den Ponys und Pferden. Das fördert bei den Heranwachsenden ihren Sinn für Verantwortung und Einfühlungsvermögen.Foto: Müller FOTO: Müller
Krefeld . Heutzutage ist es für niemanden leicht, eine neue Bleibe zu finden. Um wieviel schwerer fällt es, eine ganze Reitschule unterzubringen, mit zehn Pferden und 70 Schülern. Von Ernst Müller

 

Carolin Hell hat sich schon überall umgehört: "Ich habe nichts Passendes finden können." Sorgenvoll streichelt die Reitlehrerin die Mähne ihres Lieblingspferdes Dalida. Sogar die Stute scheint ein wenig traurig zu blicken.


Denn die Zukunft der privaten Reitschule von "Caro", wie sie selbst die Kinder nennen dürfen, ist ungewiss. Bisher waren ihre vier Pferde und sechs Ponys auf einem Gestüt zwischen Krefeld und Kempen gut untergebracht. Koppeln und Reitplätze standen für den Unterricht zur Verfügung.


Doch organisatorische Veränderungen lassen einen Umzug notwendig werden. Bloß, wohin? "Ich brauche ja nicht nur Boxen für die Tiere", erklärt Caro Hell, "sondern auch Raum für den Reitunterricht."


Dabei steht für die 36-Jährige ihr pädagogisches Konzept im Vordergrund: "Ich suche einen Platz, wo Kinder noch Kinder sein dürfen." Stupides Hintereinanderreiten, ständig im Kreis, entspricht nicht Caros Vorstellungen von einer Beziehung zwischen Mensch und Tier. Bei Caro dürfen die Schüler mit ihrem Tier individuell trainieren. Jeder an seinem Platz und nach seinem Lernfortschritt.


Dieses Konzept hat sich bewährt: Innerhalb von zwei Jahren hat Carolin Hell ihre Reitschule von zwei Pferden auf zehn Tiere gesteigert, von anfangs wenigen Schülern auf jetzt 70; Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Sie lernen Dressur, Springen, gehen erfolgreich auf Turniere.


Carolin Hell selbst kann sich ein Leben ohne Pferde nicht vorstellen: "Schon mein Großvater hat in Traar Pferde gezüchtet, und ich war als Kind natürlich immer auf seinem Hof." Später hat sie sich speziell Pferde zugelegt, die durch schlechte Erfahrungen wilde Verhaltensstörungen aufwiesen. "Ich habe manche Verletzungen davongetragen, aber es machte mir Freude, das Vertrauen der Tiere zu gewinnen und sie zu guten Reitpferden zu erziehen."
 Obgleich die Inratherin über einen "Master of Business"-Abschluss der renommierten Universität St. Gallen verfügt, entschied sie sich, ihren Traum zu verwirklichen: eine eigene Reitschule. "Da hängt mein Herz dran", bekennt sie und fügt leise hinzu: "Das darf nicht sterben."


Dennoch ist dieser Traum nun gefährdet. Wenn die Pferdenärrin kein neues Zuhause findet, bleibt wohl nur der Verkauf der Tiere und die Auflösung der Schule.


"Am liebsten wäre uns eine Hofanlage, die wir pachten oder kaufen könnten", sagt die 36-Jährige. Aber auch ein Pferdestall, der freie Boxen für die Tiere hat und die Anwesenheit der Jugendlichen ermöglicht, kommt in Betracht. "Wer im Umkreis von Krefeld eine solche Bleibe kennt, sollte sich bitte an mich wenden", bittet Carolin Hell. Ihre E-Mail-Adresse:
caro.hell@outlook.com