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Spezial-Markt Made in Krefeld
Ein Jahrhundert KR-Musik

Made in Krefeld
Auch Musik ist für eine Stadt identitätsstiftend: Am Musikerstand auf dem Markt „Made in Krefeld“ stellen Philip Lethen (r.) und Petra Krieger die neue Krefeld-Platte mit dem Titel „100“ vor. Krefelds Marketing-Chef Uli Cloos (l.) sieht es mit Wohlwollen. FOTO: Müller
Krefeld . Der Volksmund spricht vom Crefelder Weihnachtsmarkt. Aber eigentlich gibt es auf dem Dio-Platz zwei Märkte. "Made in Krefeld" ist eigenständig, wie Marketing-Chef Uli Cloos betont. Neustes Resultat des "heimischen" Marktes: Die Reise durch Krefelds Musikgeschichte. Von Ernst Müller

 

Philip Lethen ist Ur-Krefelder, leidenschaftlicher Musiker und renommierter Fotograf. Im vorigen Jahr fand er die Unterstützung des Krefelder Stadtmarketings bei seinem Projekt, einheimische Bands auf einer Platte zu versammeln. Vom Erfolg beflügelt, machte sich der Künstler an eine neue Aufgabe.

Er recherchierte im Stadtarchiv, sprach mit den Niederrheinischen Sinfonikern ebenso wie mit den alten Kumpels aus der Rockszene. Ohne jede Berührungsängste zwischen Klassik, Gassenhauer und Heavy Metal, zwischen 20er Jahre, Nachkriegszeit und Gegenwart, versammelte Lethen Musikstücke auf einer neuen Schallplatte.

Nur zwei Kriterien waren wichtig: Alle Musikstücke haben einen Krefeld-Bezug; und die 12 aufgenommenen Stücke repräsentieren fortlaufend einen Zeitabschnitt des letzten Jahrhunderts. Somit heißt die Platte, die es sowohl als CD wie als Vinyl-LP gibt, schlicht: "100 - years music made in Krefeld".


Sie beginnt getragen mit einem Werk des Komponisten Johannes Brahms (1833 - 1897), der mit der Seidenweberfamilie Von der Leyen befreundet und häufiger Gast in Krefeld war; und endet mit der heißen Nummer "Lord of the Rings" der 1987 neu gegründeten Krefelder Metalband "Blind Guardian". Dazwischen: singt die "Schäng Blasius Flönz Rakete" ein bekanntes Krefelder Mundartlied von 1929 und es gibt ein Wiederhören mit der ehemaligen Krefelder Rockband "Trash", die ihre große Zeit von 1967 bis 1975 hatte.


"Das Cover der Platte ist im Stil eines Jacquard-Stoffs gehalten", hat Philip Lethen auch bei der äußeren Gestaltung auf den Bezug zur Krefelder Tradition geachtet. Krefelds Marketing-Chef Uli Cloos freut´s, dass der "heimische" Teil des Weihnachtsmarktes, der Produkte aus der Heimatstadt bietet, mit dieser musikalischen Innovation weiter aufgewertet wird. Die Platte ist an der Hütte der Musikszene und an der des Stadtmarketings erhältlich (CD: 10 Euro; LP: 15 Euro).


Wie Uli Cloos die Zukunft des Krefeld-Specials auf dem Gesamtweihnachtsmarkt bewertet, lesen Sie im
folgenden Interview:

 Herr Cloos, wie nehmen die Besucher diesen Teil des Weihnachtsmarktes an?
Cloos: Die Aussage "Das ist aber schön hier" hören wir auf dem Markt immer wieder. Die Tatsache, dass die Aussteller in den Hütten teilweise nur ein verlängertes Wochenende oder nur eine Woche da sind, und dann wieder neue Kreative kommen, sorgt für viel Lebendigkeit und Abwechslung.

 Für manche Besucher gibt es auf dem Krefelder Weihnachtsmarkt zu viel Gastronomie, für andere zu wenig.
Cloos: Hier ist wichtig, den "Crefelder Weihnachtsmarkt" südlich der Dionysiuskirche und das "Made in Krefeld"-Special nördlich der Dionysiuskirche, das wir als Stadtmarketing veranstalten, getrennt zu betrachten. Wir haben beim "Made in Krefeld"-Special eine Quote von 5:1. Das heißt, auf fünf Kreativhütten kommt ein Gastronomiestand. Üblicherweise liegt diese Quote bei 3:1 oder sogar darunter. Und dann gibt es mit den Waffeln von Sel la vie, den veganen Speisen der Kunstküche, dem Gebäck von Beans and Sweets eben ein ganz besonderes Speisenangebot.

Über den Krefelder Weihnachtsmarkt ist schon viel diskutiert worden. Welche Kriterien sind aus Ihrer Sicht maßgeblich?
Cloos: Wichtig ist, dass wir mit dem "Made in Krefeld"-Special gerade die Möglichkeit haben, ein neues Konzept neben einem traditionellen Markt ausprobieren zu können. Wir sehen, dass Nachhaltigkeit, Regionalität, Qualität und Ästhetik wichtige Kriterien sind.

 Der neue Weihnachtsmarkt "Made in Krefeld"-Special ist in seinem zweiten Jahr größer geworden. Wird er zukünftig weiter ausgebaut?
Cloos: Wir sind in einem Jahr von zehn auf 15 Hütten gewachsen, haben kleinere überdachte Aufenthaltsbereiche geschaffen und die Pfadfinderstämme mit der Jurte dazugewonnen. Nach 16 Ausstellern im Jahr 2017 sind es bereits 36 im Jahr 2018. Wir glauben, dass es noch mehr Kreative und Künstler und experimentierfreudige Gastronomen gibt, die zum "Made in Krefeld"-Special passen und darauf vertrauen, dass das Konzept so konsequent weiterentwickelt wird. Wir schauen uns jetzt die Breite Straße an, ob dort noch etwas möglich ist.