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Im Krefelder Kunstverein
Blick in unsere Ateliers

Krefelds Künstler
Nimmt Maß: Georg Opdenberg hat ein römisches Maßgerät nachgebaut. FOTO: Müller
Krefelds . Der Krefelder Kunstverein wirft einen Blick in die Ateliers heimischer Künstler. Verblüffendes kommt zutage. Von Ernst Müller

Georg Opdenberg ist eigentlich Vermessungsingenieur bei der Stadt Krefeld. Doch vielen Krefeldern ist er überdies als Künstler bekannt. Nun hat er seine zwei Kompetenzen zusammengefügt. "Dies ist die Rekonstruktion eines altrömischen Messgerätes”, verweist er auf das Holzgestell mit Latten und Loten. Doch dem Konstrukteur geht es nicht um technische Details. "Das Instrument zeigt, wie in unserer Sprache das Messen als Bild für richtig und falsch, gerecht und ungerecht steht”, erläutert Opdenberg den Hintersinn.


Sein Werk ist derzeit im Haus des Krefelder Kunstvereins am Westwall 124 zu bewundern. Es ist Teil der neuen Ausstellung "Aus den Ateliers.”

Wie der Titel schon sagt, wirft die Schau einen Blick in die Werkstätten verschiedener heimischer Künstler, 12 an der Zahl. So verschieden die Künstler, so unterschiedlich ihre Arbeiten.


 Die Krefelderin Elisabeth Schlanstein hat weiße Pozellanformen auf schwarze Kacheln aufgetragen. "Sieht aus wie ein Scherenschnitt in 3D”, sagt die Künstlerin selbst. Entscheidend aber ist , wie das Material Porzellan gedehnt ist, bis das Letzte aus der Masse herausgeholt wurde.


Fast wie chinesische Schriftzeichen sehen die farbigen Linienreliefs von Hanne Thilker-Kulgemeyer aus. "Ich komme vom Zeichnen und arbeite gern mit Holz”, erklärt sie. Das sieht man den flach geschwungenen Reliefs an. Es scheint, als hätten sich gezeichnete Linien dreidimensional materialisiert.


Die Vielfalt der Arbeiten macht den Reiz dieser überblicksartigen Ausstellung aus. Der Besucher hat keine Gelegenheit, sich in eine Norm einzufinden, sondern wird von Bild zu Bild, von Skulptur zu Skulptur von einem neuen Ansatz in Anspruch genommen. Das macht Lust zum "Bummel” durch zwei Etagen und dokumentiert auch den Reichtum der einheimischen Künstlerszene.


Die Ausstellung könnte auch den ersten Einstieg für Schüler auslösen, sich mit zeitgenössischer Kunst zu beschäftigen. Immerhin kündigte Vereinsvorsitzende Elke Meyer-Michael eine lockere Zusammenarbeit mit dem Ricarda-Huch-Gymnasium an, das die Kunsterziehung zu verstärken beabsichtigt. Der Krefelder Kunstverein bietet sich dabei als idealer Partner an.


Die Ausstellung läuft ab Sonntag, 2. Dezember, bis zum 20. Januar 2019. Das Buschhüterhaus am Westwall 124 ist geöffnet: Sonntags von 11–13 Uhr sowie Mittwochs und Donnerstags von 16 – 19 Uhr.