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Kosten von mindestens 61 Millionen
Kostenlos mit Bus & Bahn?

Kosten von mindestens 61 Millionen: Kostenlos mit Bus & Bahn?
FOTO: SWK
Krefeld. Die Bundesregierung hat mit dem Vorschlag überrascht, Fahrten im öffentlichen Nahverkehr kostenlos anzubieten. In Essen soll ein Modellprojekt starten. Wäre das auch für Krefeld realistisch? Von Jan Popp-Sewing



Der Ostwall zwischen 8 und 9 Uhr: Hunderte Autos schieben sich über die zweispurige Straße, warten vor roten Ampeln und im Rückstau. Dazwischen Straßenbahnen und Radler. Doch was wäre, wenn alle Bürger kostenlos Bus und Bahn nutzen könnten? Die Bundesregierung hofft, dass das die vom Abgas geplagten Innenstädte massiv entlasten würde.

In Essen, das wie Krefeld zum Verkehrsverbund Rhein-Ruhr gehört, soll jetzt ein Modellprojekt starten. Danach entscheidet sich, ob weitere Städte folgen.

Blickt man auf Krefeld und St. Tönis, würde so ein Projekt erstmal 40,2 Millionen Euro jährlich kosten. Das ist jedenfalls der Umsatz der SWK Mobil. In ihren 23 Bus- und vier Straßenbahnlinien sind pro Jahr rund 39,2 Millionen Fahrgäste unterwegs.

Doch die oben genannte Summe reicht nicht, die tatsächlichen Kosten der SWK Mobil liegen um ca. 20,7 Millionen höher als ihre Einnahmen. Diesen Betrag fangen die SWK durch Gewinne an anderer Stelle wieder auf. Insgesamt kostet der Betrieb von Bussen und Bahnen in Krefeld/St. Tönis also knapp 61 Millionen Euro pro Jahr.

Ein kostenfreier Nahverkehr würde sicher einen Ansturm erleben. Das würde sofort eine Erhöhung des Taktes und somit neue Busse und Bahnen nötig machen. Neue Fahrer müssten eingestellt werden. Eine stärkere Strapazierung von Gleisen und Fahrzeugen erfordert weitere Investitionen ins Streckennetz. Und irgendwie müssen die Kosten von Fahrten zwischen einzelnen Städten ja auch intern verrechnet werden.

Im Gegenzug würden die Kosten für Ticketkontrollen und die Strafverfolgung von Schwarzfahrern wegfallen, Die gäbe es dann ja nicht mehr.

"Man muss bei so einem Thema über sehr viele Komponenten nachdenken", sagt SWK-Sprecherin Dorothee Winkmann auf Stadt-Spiegel-Anfrage. Man darf gespannt sein, wie das alles in Essen gelöst wird.