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Goldschmied übergibt Rekord-Werk an Museum
Kleinster Webstuhl der Welt steht in Krefeld

Goldschmied übergibt Rekord-Werk an Museum: Kleinster Webstuhl der Welt steht in Krefeld
Goldschmied Rainer Bartelsheim (l.) übergibt seinen Mini-Webstuhl an den Vorsitzenden des Hauses der Seidenkultur Hansgeorg Hauser. Im Hintergrund ein authentischer Webstuhl in der alten Handwerkshalle. FOTO: Müller
Krefeld . Der kleinste Webstuhl der Welt steht jetzt im Haus der Seidenkultur. Sein Schöpfer ist Krefelder. Von Ernst Müller

 

"Mein Lehrling sagte zu mir: der Webstuhl muss ins Guinness-Buch der Rekorde", erzählt Rainer Bartelsheim. Das war 1988. Der Goldschmiedemeister vom Ostwall hatte zusammen mit seinen beiden Azubis das Prachtstück gerade fertig gestellt: Ein richtig funktionierender Webstuhl aus Messing und Silber in Miniaturformat. Maßstab 1:300. Drei Zeugen mussten unterschreiben, dass tatsächlich das Krefelder Team die Arbeit erstellt hatte. Dann war der Weg ins Rekorde-Buch frei. Solch eine Arbeit gab es kein zweites Mal.


"Für uns ist der kleinste Webstuhl der Welt jetzt das zweite Alleinstellungsmerkmal", freut sich Hansgeorg Hauser, Vorsitzender des Hauses der Seidenkultur an der Luisenstraße. Rainer Bartelsheim hat es dem Museum in dieser Woche feierlich übergeben. Selbst das WDR-Fernsehen reiste für die offizielle Übergabe an. Zur Aufbewahrung und Präsentation hätte der Goldschmied keinen geeigneteren Platz finden können. Denn das erste Alleinstellungsmerkmal des Museums ist die einzig erhaltene Werkstätte von Jacquard-Webstühlen in Europa.


Zumal die Experten des Hauses großen Anteil an der Restaurierung des über 30 Jahre alten Schmuckstückes haben. Ingenieur Willi Wolters und Handwebmeister Günter Oehms beseitigten mit Pinzette und ruhigen Händen einige Schäden, die durch Missgeschicke beim nachträglichen Löten entstanden waren. Jetzt funktioniert der Mini-Webstuhl wieder.
Als Hommage an seine Heimatstadt und den KEV hatte Bartelsheim ursprünglich schwarze und gelbe Fäden eingespannt. "Wir haben noch rote hinzugefügt", lacht Hauser unter Verweis auf die Leibfarbe des Museums.


Der Anlass zur Herstellung des Webstuhl in den 80er Jahren war kein besonderer: "Just for fun", sagt Bartelsheim bescheiden. Der begeisterte Goldschmied hat noch mehr schöne Dinge aus Freude an seinem Beruf hergestellt. Zum Webstuhl hat er allerdings eine familiäre Beziehung: Vorfahren von ihm waren Seidenweber.