| 20.11 Uhr

Gewerkschaft kritisiert Arbeitsbedingungen für Reinigungskräfte in Krefelder Schulen
IG Bau verleiht "dreckigen Wischmopp"

Gewerkschaft kritisiert Arbeitsbedingungen für Reinigungskräfte in Krefelder Schulen: IG Bau verleiht "dreckigen Wischmopp"
Die IG Bau will einen „dreckigen Wischmob“ an in Krefeld tätige Reinigungsfirmen verleihen.
Krefeld. Die IG Bau hat 50 anonyme Fragebögen von Reinigungskräften ausgewertet. Ergebnis: An Krefelder Schulen herrschen "teilweise erschreckende Arbeisbedingungen für Reinigungskräfte", so Gewerkschaftssekretär Mahir Sahin. Von Jan Popp-Sewing

An neun Schulen hatten die Gewerkschafter die 150 Fragebögen an Reinigungskräfte verteilt. Ein Drittel kam ausgefüllt zurück. "In Krefeld gibt es so viele Probleme bei den Arbeitsbedingungen wie im ganzen Bezirk Nordrhein nicht", so das Fazit von von IG Bau-Vizeregionalleiterin Nicole Simons.

Zur Verblüffung der Gewerkschafter stellte sich heraus, dass keine der befragten Vorarbeiterinnen den ihr zustehenden Zuschlag bekommt. Das tarifliche Urlaubsgeld werde häufig nicht gezahlt, der Urlaub oft falsch (also mit zu wenigen Tagen berechnet).

Der seit 1. Januar in der Branche geltende Mindestlohn von 9,55 Euro pro Stunde werde zwar bezahlt, dafür sei bei vielen Reinigungskräften aber die Arbeitszeit verringert worden (bei gleicher Arbeitsbelastung) oder der Arbeitsumfang habe sich erhöht.

Ein derartiges "Turboputzen" könne letztlich Hygienemängel zur Folge haben, die bei Schülern und Lehrern zu Krankheiten führen könnten. Unverständlich sei, dass einige Mitarbeiterinnen Arbeitshandschuhe und Putzmittel selbst kaufen müssten.

Den Gewerkschaftern fiel dabei auf, dass die Bedingungen bei tarifgebundenen Firmen deutlich besser seien als bei anderen. Die Gewerkschaft will die Umfrage nun auf alle 50 Krefelder Schulen ausweiten und den Unternehmen mit den schlechtesten Arbeitsbedingungen dann einen symbolischen "dreckigen Wischmopp" überreichen.

SPD-Chef Frank Meyer, gleichzeitig ehrenamtlicher Bürgermeister, hält es für "empörend, wenn solche Arbeitsbedingungen durch Aufträge der Stadt Krefeld entstehen". Schulen sollten ein Vorbild für die Gesellschaft sein - auch in Sachen Arbeitsbedingungen. Meyer sprach sich dafür aus, Verträge mit Firmen zu kündigen, die die gesetzlichen Mindeststandards ständig unterlaufen.

Die Stadt schreibt die Aufträge alle zwei Jahre neu aus. Sie plant, bei der nächsten Vergabe 150.000 Euro im Jahr einzusparen, allerdings "ohne Qualitäts-Verluste".

(City Anzeigenblatt Krefeld II)