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Bachelorarbeit
Ideen gegen das Schulschwänzen

Bachelorarbeit: Ideen gegen das Schulschwänzen
Sie untersuchten das Thema Schulschwänzer: Nils Kawski, Florian Mertens, Jill Burek und Jürgen Bauer. FOTO: jps
Krefeld. Die Zahl der Schulschwänzer steigt. 2017 verschickte NRW rund 1200 Bußgeldbescheide, 450 mehr als 2014. Nimmt man notorische Zuspätkommer hinzu, sind nach Angaben des Studentenprojets "Umweg? Nein Danke!" 20 Prozent der Hauptschüler betroffen. Von Jan Popp-Sewing

Vier Studierende der Hochschule Arnheim/Nimwegen haben das Problem in einer Bachelorarbeit analysiert - und Lösungsmöglichkeiten erarbeitet. Grundlage sind Gespräche mit Schülern und Lehrern der Josef-Hafels-Schule in Fischeln und der Stephanusschule in Bockum.

Die Studenten untersuchten die Gründe für "Schulabsentismus" (wie es offiziell heißt). Sie weiteten aber auch den Blick auf die negativen Auswirkungen auf die Motivation von Mitschülern und Lehrern - und auf die Folgen im späteren Leben der Schulschwänzer. Das Bild fiel entsprechend düster aus: Wer dem Unterricht permanent fernbliebt, hat ein deutlich höheres Risiko, in kriminelle Milieus abzurutschen, Süchte zu entwickeln und sein Leben lang von Sozialleistungen abhängig zu sein. 

Bei der Präsentation ihrer Arbeit schlüpften die Studierenden in kurzen Szenen in die Rolle von Schülern und Lehrern und rekapitulierten die gängigsten Dialoge. Ein Argument fürs Schwänzen: "Ey, meine Cousins haben immer Kohle am Start und die schärften Weiber - und keinen Schulabschluss".  

Die Bildungsforscher plädierten dafür, Lehrern Einblicke in die biografischen Daten und die Herkunft ihrer Schüler zu gewähren. Dann könnten die Pädagogen sich daraus ergebende Probleme ansprechen - wenn jemand der Schule fernbeleibt, weil er sich zuhause um Haushalt und kleine Geschwister kümmern muss.

Entscheidend sei die Kooperation der Eltern mit den Schulen. Angesichts der Wichtigkeit der Mitarbeite der Eltern plädieren die Studenten dafür, dies gesetzlich verpflichtend zu machen.

In der Bildungslandschaft empfehlen sie kleinere Schulen und Klassen, weniger Frontalunterricht und mehr Elemente aus Theater-, Sport- und Erlebnispädagogik. Es sollte mehr Schulsozialarbeiter und  Schulpsychologen geben, die schnell ansprechbar wären. Fazit der Studenten: Damit das starke Engagement der Lehrer nicht ausgebremst wird, muss deutlich mehr Geld in die Schulen fließen.

Im Unterricht raten die Hochschüler zum "Tandem-Prinzip", der Bildung von Teams aus unterschiedlichen Schülern, die sich gegenseitig ergänzen können - auch eine Motivation wieder zum Unterricht zu kommen.

Ihr Modell gegen Schulabsentismus und ihre Ratschläge haben sie in mehreren Handbüchern niedergeschrieben.