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Gericht vernimmt Leiter der Mordkommission
Hochspezialisiertes Analyseverfahren brachte einen Treffer

Gericht vernimmt Leiter der Mordkommission: Hochspezialisiertes Analyseverfahren brachte einen Treffer
Insgesamt fünf Angeklagte stehen im Mordfall L. vor dem Schwurgericht. FOTO: Samla
Krefeld . Im Todesfall des Krefelder Rentners Hans-Werner L. vernahm das Gericht am dritten Verhandlungstag den Leiter der Mordkommission. Von Ernst Müller

"Das können nur wenige Labore", begründet Gerhard Hoppmann seine Entscheidung, am Tatort gefundene Hautschuppen an das Landeskriminalamt Hessen zu schicken. In NRW sei die kosten- und personalintensive Analyse der Hautschuppen noch keine Standardmethode.


Der Leiter der Mordkommission zeichnete vor dem Schwurgericht den langwierigen Weg nach, wie die Polizei in akribischer Puzzlearbeit den fünf Tatverdächtigen, die als Angeklagte vor Gericht stehen, auf die Spur kam.


Das Labor des LKA Hessen übermittelte als Ergebnis einen Treffer: Die Hautschuppen entsprechen dem DNA-Muster von Jerzy S.


Der 40-jährige Pole mit Wohnsitz Solingen ist der Polizei bekannt. Seine Schwester wohnt in Krefeld. Auch sie ist bereits ins Visier der Polizei geraten. Als Tatverdächtige bei Raubüberfällen auf Privatleute in verschiedenen Städten.


Nach und nach kristallisiert sich aus dem Umfeld eine Gruppe heraus, die offenbar reihenweise Überfälle begeht.


Die Polizei hört die Telefongespräche von Jerzy S. ab, der in Mülheim unterwegs ist: "Es hörte sich an, als werde ein Tatort ausbaldovert." Um weitere Straftaten zu verhindern, greift die Polizei zu.


Einige der Festgenommenen kommen wieder auf freien Fuß. Bei anderen Verdächtigen verstärkt sich der Vorwurf, mit dem Überfall auf den Krefelder Rentner Hans-Werner L. in Verbindung zu stehen. So führen zu den beiden Brüdern F., die bereits polizeibekannt sind, sowohl DNA-Spuren wie auch abgehörte Telefongespräche von Jerzy S.. Sie sollen vor Zeugen sogar angegeben haben, an dem Überfall auf Hans-Werner L. beteiligt gewesen zu sein. "Wir waren das", sollen sie nach Erkenntnissen der Kripo gesagt haben. Einer der Brüder lebt mit Frau und Kind in Krefeld. Auch die beiden Brüder stehen nun vor Gericht


Der vermeintliche Auftraggeber für den Überfall auf Hans-Werner L., ein weiteres Mitglied der Großfamilie S., geht der Polizei hingegen durch die Lappen. "Er ist bis heute flüchtig", erklärt Hauptkommissar Hoppmann.


Die Wohnung des Opfers schildert Hoppmann "wie ein kleines Museum." Voll gestellt mit Kunstgegenständen und Antiquitäten. Darauf wohl hatten es die Täter abgesehen. Doch waren die meisten Gegenstände nach der Tat noch da. Die Wohnung habe einen geordneten Eindruck gemacht.


Im Badezimmer fand die Polizei an Händen und Füßen gefesselt das tote Opfer. Knebel im Rachen, ein Handtuch über dem Kopf. Abwehrverletzungen habe die Leiche nicht aufgewiesen. Der Tod sei über längere Zeit durch Ersticken erfolgt."Er muss qualvoll erstickt sein."


 Diese Bewertung relativiert einer der Rechtsanwälte als "Spekulation". Der Anwalt will wissen: "War das Opfer ohnmächtig?". "Das kann ich nicht sagen", antwortet Hoppmann.


Den Umstand, dass die Täter dem Opfer ein Handtuch über den Kopf gelegt hatten, lässt nach Hoppmann zwei mögliche Deutungen zu: Entweder hätten sie das Opfer nicht ansehen können oder sie wollten seinen Erstickungstod beschleunigen.

Den wahren Grund kennen nur die Täter selbst.