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Dermatologe warnt
Geschlechtskrankheiten an Karneval auf dem Vormarsch

Dermatologe warnt: Geschlechtskrankheiten an Karneval auf dem Vormarsch
Dr. Bernd Fritzen, Oberarzt der Dermatologie am Helios Klinikum Krefeld FOTO: Helios Klinikum
Krefeld. Kostümiert, gut gelaunt, angeheitert: Viele genießen die fünfte Jahreszeit in vollen Zügen. Doch Vorsicht: sexuell übertragbare Geschlechtskrankheiten sind in Deutschland wieder auf dem Vormarsch.

Chlamydien, Syphilis, Feigwarzen, Tripper – nach den jecken Tagen steigt die Zahl der Patienten, die mit der Vermutung zum Arzt gehen, sie hätten sich "da unten" etwas eingefangen. Zumeist bestätigen die Experten den Verdacht auf eine Geschlechtskrankheit. Der häufigste Grund: nachlässige oder gar keine Verhütung.

"Es ist wichtig, erste Anzeichen wie Juckreiz in der Schamgegend, einen Ausfluss im Genitalbereich sowie Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen, ernst zu nehmen. Denn unbehandelte Infektionen haben im Zweifel weitreichende Folgen. Chlamydien beispielsweise können zu schweren Entzündungen führen – bei Männern an der Prostata oder den Nebenhoden, bei Frauen an der Gebärmutterschleimhaut, den Eileitern und Eierstöcken. Im schlimmsten Fall droht eine Unfruchtbarkeit", sagt Dr. Bernd Fritzen, Oberarzt der Dermatologie am Helios Klinikum Krefeld.

Er ist nicht nur Experte für die Haut, sondern auch für die sogenannte Venerologie, einem medizinischen Teilbereich, der sich mit der Diagnostik und Therapie von Geschlechtskrankheiten beschäftigt. 

"Lange als verschwunden geglaubt, erlebt Syphilis zurzeit eine Renaissance – die Neuansteckungen steigen seit Jahren wieder deutlich an, auch die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland liegt jährlich bei rund 3200. In der Bevölkerung ist das Risikobewusstsein nicht besonders hoch, wohl aber die Ansteckungsgefahr und die Schamgrenze,  einen Arzt aufzusuchen", erklärt der Mediziner Fritzen.

Und: "Eine Infektion kommt selten allein. Das Übertragungsrisiko ist deutlich höher, wenn bereits eine andere Geschlechtserkrankung vorliegt."

Der rechtzeitige Weg zum Dermatologen oder Hausarzt lohnt sich: Wird die Erkrankung nämlich frühzeitig diagnostiziert, reicht häufig eine Antibiotika-Therapie, um das unschöne Karnevalsandenken loszuwerden. Handelt es sich um einen Genitalherpes, kommen Medikamente zum Einsatz, welche die Herpesviren bekämpfen. Der Partner geht am besten ebenfalls zum Arzt, sonst droht der Ping-Pong-Effekt.

Auch die gefährliche Infektion mit dem HI-Virus sollte abgeklärt werden. Generell gilt aber: Vorsicht ist besser als Nachsicht. Wer also zum Feiern loszieht, sollte auch Kondome einpacken. Denn nur sie bieten einen wirksamen Schutz vor den Erregern.