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Prozess startete im Krefelder Landgericht
Fall "Lothar Vauth" vertagt

Prozess gegen Lothar Vauth gestartet
Prozess gegen Lothar Vauth gestartet FOTO: Lothar Strücken
Krefeld (P.R./em). Der heute gestartete Prozess um den ehemaligen Rechtsanwalt, SPD-Landtagskandidaten und Ex-Karnevalsprinz Lothar Vauth wurde bereits nach kürzester Zeit vertagt. Ihm wird Untreue in über 900 Fällen (1,9 Millionen Euro Schaden) vorgeworfen.

 

Mit einem Rollstuhl wurde der ganz in schwarz gekleidete 50-Jährige in den Saal des Krefelder Landgerichts geschoben. Darauf hatten die Staatsanwaltschaft und Geschädigte rund zehn Jahre lang gewartet. Denn so lange zieht sich das Verfahren nun schon hin. Zuletzt hatten immer wieder gesundheitliche Probleme Vauths dafür gesorgt, dass ein Prozess nicht zustande kam. Sogar eine Verjährung drohte.

Doch bereits nach rund zehn Minuten war die heutige Verhandlung beendet. Es wurden ausschließlich die Personalien der beiden Angeklagten, auch Vauths Ehefrau steht vor Gericht, aufgenommen. Noch bevor die Anklageschrift verlesen werden konnte, einigten sich die Beteiligten auf ein gemeinsames Gespräch. "Dabei handelt es sich um ein so genanntes Rechtsgespräch, das in der Strafprozessordnung (StPO) festgelegt ist", erklärt Nils Radtke, Pressedezernent Landgerichts Krefeld.

"Der Inhalt dieses Gesprächs zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigern wird am nächsten Verhandlungstag dargelegt. Darin geht es meist um Formalia und Abläufe", so Radtke weiter. In solchen Gesprächen könne allerdings auch vorgefühlt werden, wie sich die Lage bei einem etwaigen Geständnis verhalten würde.

Die Verhandlung soll wie geplant am 29. März fortgesetzt werden.

Der ehemalige Karnevalsprinz sieht sich bekanntlich den Vorwürfen der gewerbsmäßigen Untreue, zum Teil mit Betrug, ausgesetzt. In 923 Fällen soll ein Schaden von mehr als 1,9 Millionen Euro entstanden sein. Allein in acht Fällen im Jahr 2008 seien im Zuge von Mandatsverhältnissen mit dem Angeklagten Geldbeträge von im Einzelfall bis zu 122.870,32 Euro auf Kanzleikonten beziehungsweise nur für diesen Zweck durch den Angeklagten eingerichtete Konten eingegangen.

Im Verlauf des Ermittlungsverfahrens musste eben jene Krefelder Rechtsanwaltskanzlei Insolvenz anmelden. Kollegen von Vauth hatten Anzeige erstattet, nachdem sie Unregelmäßigkeiten entdeckt hatten.

Im September 2016 war Lothar Vauth in einem Zivilverfahren vor dem Krefelder Landgericht dazu verurteilt worden, 348 000 Euro an den Insolvenzverwalter der Kanzlei zu zahlen. Dieser hat jetzt auch das Verfahren gegen den Tönisvorster beim Amtsgericht einleiten lassen.

Und als hätte das sich seit zehn Jahren in der Schwebe befindende Verfahren nicht schon genügend merkwürdige Facetten an sich, kommt nun ein weiteres Kapitel in der langen Geschichte "Vauth" hinzu. Denn bevor das Verfahren in zwei Wochen eröffnet wird, ist seit Februar über das Vermögen des mittlerweile 50-Jährigen ein Insolvenzverfahren eröffnet worden.