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„Es geht um gefühlte Sicherheit“

„Es geht um gefühlte Sicherheit“
FOTO: Archiv
Krefeld. Christoph Borgmann, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Krefeld, fordert von der Stadt mehr Fürsorge für die Innenstadt. Er spricht sich für ein Verbot von Bierflaschen und -dosen aus, wünscht sich zudem sauberere Straßen.
 
Von Jörg Zellen

Christoph Borgmann ist viel mehr als ein "normaler" Einzelhändler. Der 47-Jährige ist Krefelder durch und durch, setzt sich an verschiedenen Stellen für das Wohl seiner Heimatstadt ein. Seit Ende 2015 leitet er als Vorsitzender die Geschicke der Werbegemeinschaft. Sein Ziel: "Wir wollen dass sich unsere Kunden in Krefeld wohlfühlen. Die City ist die Visitenkarte unserer Stadt."

Doch genau hier sieht Borgmann noch Potenzial nach oben. Er verweist auf die "Missstände, die jeder sieht, aber keiner beseitigt". Ganz konkret spricht er das Problem der "Trinkerszene" an. "Natürlich ist das ein schwieriges Thema. Aber genau hier erwarten wir als Werbegemeinschaft, dass die Stadt etwas unternimmt und nach Lösungen sucht. Es stört mich kolossal, dass nichts passiert."

Zwar sei ein striktes Alkoholverbot in der Innenstadt allein schon wegen der vielen Gastronomen nicht umsetzbar. "Dies ist auch gar nicht gewünscht. Vielmehr geht es darum, zu verhindern, dass alkoholisierte Personen mit Bierflaschen- und dosen umherziehen und Passanten belästigen oder aggressiv betteln." Die "gefühlte Sicherheit", so Christoph Borgmann, spiele dabei eine übergeordnete Rolle.

Er macht keinen Hehl daraus, dass er im Beisein seiner Töchter den Theaterplatz meidet. ""Es kann doch nicht sein, dass eine Minder­heit von 50 Leuten ei­ne ganze Stadt mit 230 000 Einwohnern in Atem hält", klagt er.

Der Unternehmer hat sich übrigens kürzlich in Duisburg, wo seit einem Jahr ein Alkoholverbot in der Innenstadt gilt, von den Auswirkungen überzeugt: "Das Ergebnis bestätigt unsere Einschätzung, dass wir uns so etwas auch für Krefeld wünschen."
Doch nicht nur die "Trinkerszene" treibt die Werbegemeinschaft umher. "Unser Stadt ist gefühlt nicht nur unsicher, sondern auch dreckig", sagt Christoph Borgmann und ergänzt: "Was bringen mir noch so schöne Waren, wenn meine Schaufenster nicht sauber sind?" Es müssten seitens der Stadt mehr Mittel freigesetzt werden, um das Erscheinungsbild der Krefelder Innenstadt zu verbessern. "Ein gepflegtes Äußeres sorgt für mehr Aufenthaltsqualität. Und genau das brauchen wir in Krefeld."

Ein dritter Punkt, den Borgmann in dieser Woche auch mit den Mitgliedern der Werbegemeinschaft aufgriff, ist der Plan der Verwaltung, die Hochstraße binnen weniger Monate gleich zweimal aufzureißen. In den kommenden Wochen werden im Bereich zwischen Rheinstraße und Neumarkt die Wasser- und Stromleitungen erneuert.

"Davon wussten wir. Wenn es nötig ist, ok. Aber es kommt einer Operation am offenen Herzen gleich", sagt Borgmann, der sich über eine Aussage von Tiefbauamtsleiterin Monika Selker in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses ärgert. Demnach sei für 2019 eine "Neugestaltung" der Hochstraße geplant. "So etwas ist nicht nachzuvollziehen und den Händlern nicht zuzumuten." Borgmann kündigte an. "Darüber werden wir auch noch mit dem Oberbürgermeister reden."