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Moderne Verkehrserziehung: was sich geändert hat
Ein Puppentheater, das Leben retten kann

Moderne Verkehrserziehung: was sich geändert hat: Ein Puppentheater, das Leben retten kann
Spaß mit Hintersinn: Die Polizisten Gottfried Wolters (l.) und Helmut Bott führen mit ihren Handpuppen Felix und Kevin den Grundschulkindern vor, wie man sich im Straßenverkehr richtig verhält. Die Kulissen ihres kleinen Theaters haben sie selbst gebaut. FOTO: Müller
Krefeld . Unfälle mit Kindern sind besonders tragisch. Die Polizei Krefeld beugt mit pfiffigen Aktionen vor. Von Ernst Müller

Helmut Bott ist nicht nur ein sorgsamer Verkehrspolizist, sondern auch ein versierter Bastler. "Die Handpuppen gestalte ich selbst", zeigt der Polizeihauptkommissar den Hund Felix, sein kleines Herrchen Kevin und Maskottchen Freddy Fair.


Gemeinsam mit seinem Kollegen Gottfried Wolters von der Polizeiabteilung Verkehrsunfallprävention führt Bott vor Kindern der Grundschulen ein Puppentheater vor. Thema: Wie verhalten sich die Kinder im Straßenverkehr richtig.


Das hört sich vielleicht trocken an. Aber die beiden Polizeipädagogen verstehen es, die Kinder buchstäblich von den Stühlen zu reißen. In der Aula der ehemaligen Linner Schule am Danziger Platz fliegen die Finger nur so hoch, recken sich die Kids von den Sitzen, rufen sie wegweisend zur Bühne.


Denn Stoffpuppe Kevin hat sich hinter einem Busch aus Pappe versteckt, während Hund Felix ihn sucht. Felix bekommt aus dem Zuschauerraum lautstarke Hinweise, wo Kevin sich verbirgt.


Doch das Versteckspiel ist nur die Einleitung des eigentlichen Themas. In der Hitze des Spiels vergisst Kevin nämlich, auf den Verkehr zu achten. Schon kracht es gefährlich im Hintergrund und man hört das Martinshorn des Notfallwagens. Als Kevin schließlich mit eingegipstem Arm aus dem Hospital entlassen wird, fragt er die Kinder verstört, was er denn nur falsch gemacht habe. Die Antworten lassen nicht auf sich warten. Die Kinder rufen ihm seine Fehler aus zig Kehlen zu.


"Puppenbühnen sind heute nicht mehr alltäglich", erklärt Bott, "deshalb setzen sich die Botschaften im Kopf der Kinder fest."


Die Botschaften lauten: der Bordstein ist der "Stoppstein". Nach allen Seiten umschauen, bevor man die Straße überquert. Früher lernten die Kinder: erst nach links, dann nach rechts sehen, dann wieder nach links. Doch die Psychologie lehrt, dass Kinder in diesem Alter "rechts" und "links" nicht immer zuordnen können. Deshalb sagen die Polizisten jetzt: "nach allen Seiten".


Bott und Wolters appellieren auch an die Eltern: sie sollen mit den Kindern den Schulweg einüben und sie dann selbstständig gehen lassen. Nur dann lernen sie, im Straßenverkehr zurecht zu kommen. Sie ständig mit dem Auto zur Schule zu bringen, schadet der Verkehrserziehung.


Das Puppenspiel ist in ein Konzept eingearbeitet. Die Bezirkspolizisten haben in den Kitas schon die Verkehrsregeln erklärt, bevor das Puppenspiel die Kenntnis vertieft. Im vierten Schuljahr wird dann eine Radfahrprüfung durchgeführt.


Dieses dichte Netz der Verkehrserziehung kann Leben retten. Entscheidend bleibt, dass die Eltern richtiges Verhalten im Verkehr vorleben.