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Haus der Seidenkultur
Die Puppenstube als Zeitmaschine

Wohnkultur in Miniatur im HdS
Wohnkultur in Miniatur im HdS FOTO: Haus der Seidenkultur
Krefeld. In Puppenstuben steckt immer auch der Zeitgeist: Kinder lernen seit Jahrhunderten spielerisch, wie ein großbürgerlicher Haushalt aussieht. Das Haus der Seidenkultur (HdS) zeigt ab Sonntag historische Puppenhäuser.    

Die neue Ausstellung im Haus der Seidenkultur, Luisenstr. 15, heißt denn auch treffend "Zeitgeist im Puppenhaus" - und dürfte für die nächsten Wochen zum Publikumsmagneten werden.

Die Leihgaben stammen von der pensionierten Krefelderin Grundschullehrerin Erika Schönhoff, die seit 30 Jahren Puppenstuben sammelt. Nun ist der Miniatur-Wohnwelten-Querschnitt von Biedermeier bis Bauhaus erstmals öffentlich zu sehen.  

"Ein möglichst genaues verkleinerte Abbild der Wirklichkeit kann besonders Kindern Kulturgeschichte und Wohnkultur begreifbar machen", sagt die 79-Jährige, die aus ihrer Lehrtätigkeit – überwiegend an Grundschulen – die Lernfähigkeiten der Kleinen bestens kennt.

Die Idee zur Ausstellung sorgte im HdS schnell für Interesse. Doch die Aufstellung der Puppenhäuser mit ihrem beweglichen Mini-Interieur erwies sich dann als Herausforderung für das Team um Kuratorin Ulrike Denter. Gefragt war Fingerspitzengefühl. 

"Da gibt es Puppenstuben, die aus rund 100 Einzelteilen bestehen", sagt die Kuratorin. Doch was gehört in den Mini-Wohnungen wohin?

Die Sammlerin half mit Fotos der diversen Stuben aus verschiedenen Perspektiven weiter.

Bei "Zeitgeist im Puppenhaus" wird an vielen Details der technische Fortschritt im Haushalt sichtbar. Puppen, die nach der jeweils aktuellen Mode gekleidet sind, machen die Geschichte der Wohnkultur lebendig.

Eines der Highlights: Ein Kirchenraum, wo die kleinen Akteure Stoffe tragen, die einst in der Paramentenweberei Hubert Gotzes – dem heutigen HdS – angefertigt wurden.

Die Geschichte des Puppenhauses beginnt im Jahr 1558, als das erste bekannte Puppenhaus für Herzog Albrecht von Bayern gebaut wurde. Das kleine Kunstwerk diente als reines Präsentationsobjekt, von dem die Adels-Kinder tunlichst die Finger zu lassen hatten.

Noch im 17. Jahrhundert dienten Puppenhäuser nicht dem Spiel, sondern wurden als Anschauungsmaterial in Erziehung und Ausbildung der Kinder eingesetzt.

Das wird in der aktuellen Ausstellung nicht so sein: Ein bespielbares Puppenhaus lädt Kinder dazu ein, die Exponate im Wortsinne "zu begreifen".