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Der mit den Gorillas spielt

Gorillas im Zoo
Gorillas im Zoo FOTO: Strücken
Krefeld. Der Stadt Spiegel besuchte Tierpfleger Benjamin Harr im Krefelder Zoo. Der 40-Jährige arbeitet und trainiert seit einem Jahr intensiv mit den Gorillas. Silberrücken Kidogo ist besonders aufmerksam und interessiert an den Spielereien. Von Jörg Zellen



Sobald es in den "Katakomben" des modernen Gorilla-Hauses raschelt, stehen Kidogo, Pepe und Co. Gewehr bei Fuß. Die stolzen Menschenaffen wissen genau, was in wenigen Augenblicken passiert. Fast schon gebannt blicken sie in die obere rechte Ecke ihres Domizils.

Dort taucht dann auch, wie von ihnen erwartet, Tierpfleger Benjamin Harr auf. Es ist Fütterungszeit. Zwiebeln, Salatköpfe und Chicorée fliegen von oben ins Gehege. Natürlich greift Silberrücken Kidogo als Erster zu. Er ist nun einmal der Anführer der Gruppe. "Doch er ist darüber hinaus auch besonders pfiffig", berichtet Benjamin Harr, der seit drei Jahren schwerpunktmäßig für die Menschenaffen im Krefelder Zoo zuständig ist. 

Seit gut zwölf Monaten arbeitet der 40-Jährige nahezu täglich mit dem "Gorilla-Chef", seit einem halben Jahr auch mit dessen Erstgeborenem Pepe und seiner Mutter Miliki. Mit Hilfe des so genannten "Clickertraining" hat Benjamin Harr eine besondere Beziehung zu den Tieren aufbauen können. So nah wie er kommt den kräftigen Primaten sonst niemand seiner Kollegen.

An den Gittern der Schlafboxen hat der erfahrene Tierpfleger, der seine Ausbildung im Krefelder Tierpark machte, eine Art kleiner Schlösser angebracht, die von Kidogo, Miliki und Pepe nach Aufforderung mit Händen und Füßen zielsicher berührt werden. Nach einem Pfiff winken als Belohnung Nüsse und Trauben. Selbst die Brust oder die Schulter streckt der rund 210 Kilogramm schwere Silberrücken auf Wunsch seines Trainers mittlerweile aus, um sich abtasten zu lassen.

"Blutabnahmen oder Ultraschallaufnahmen sind so möglich ohne die Tiere betäuben zu müssen. Ein wenig stolz macht das schon, auch wenn viele, kleine Schritte notwendig sind, um so weit zu kommen", freut sich Benjamin Harr. 

Sein Ziel ist es, auch mit dem jüngsten Nachwuchs von Kidogo und Miliki, dem am Silvestermorgen geborenen Gorilla-Jungen, das "Clickertraining" zu starten. Doch bis dahin wird es noch gut drei Jahre dauern. "Mal sehen, was seine Eltern und sein Bruder bis dahin drauf haben."