| 16.18 Uhr

Neue Ausstellung des Krefelder Kunstvereins
Das Haus, das kein Zuhause ist

Neue Ausstellung des Krefelder Kunstvereins: Das Haus, das kein Zuhause ist
Unbehaustes Haus: Der Künstler Thomas Pöhler (l.) hat ein Gewächshaus seines Daches und seiner Wände entkleidet. Dafür ragen Stalaktiten aus Asphalt und Asche in den geöffneten Raum hinein. Der Sinn erschließt sich jedem Betrachter nach seiner eigenen Fantasie. Ausstellungskurator Uwe Esser (r.), der auch mit eigenen farbigen Arbeiten (im Hintergrund) vertreten ist, hat die Ausstellung noch mit Werken von Marcus Neufanger und Michael Growes bestückt. FOTO: Müller
Krefeld . Der Krefelder Kunstverein lässt durch vier Künstler die Räume des Buschhüterhauses neu erkunden. Von Ernst Müller

Der Raum in der zweiten Etage des Buschhüterhauses am Westwall 124 entfaltet eine merkwürdige Magie:


Der Krefelder Künstler Thomas Pöhler hat das Gerippe eines Gewächshauses aufgestellt, in das spitze Stalaktiten aus Straßenasphalt ragen. Kein Haus zum Wohlfühlen. Eher geht eine unsagbare Gefahr von ihm aus. "Das ist keine heitere Arbeit", bestätigt Thomas Pöhler.


Hinter dem Objekt hängen schwarze Bilder an der Wand: Muster von gefrorenen Pfützen, aufgetragen auf einer gegossenen Asphaltplatte. Eis als Motiv, heißer Asphalt als Material. Welch ein Kontrast. Und eine Korrespondenz zu den schwarzen Stalaktiten des unbehausten Hauses.


Kurator Uwe Esser führt für die Ausstellung vier Künstler zusammen: "Ihre Werke arbeiten in den Raum hinein", gibt er die Leitlinie aus.


Deshalb hat Esser genau gegenüber dem gefahrvollen Haus einen halbblinden Spiegel von Michael Growe angebracht. Ebenso wie das Haus erfüllt auch dieses Objekt seine ureigene Funktion nicht. Das Gefühl von Irritation breitet sich aus. Der ganze Raum wirkt wie durch unsichtbare Kräfte aufgeladen; je länger der Betrachter verweilt, desto intensiver.


Eine gegenteilige Form von Raumergreifung stellen die "Trojaner" von Michael Growe dar. Das sind bunt bemalte Holzobjekte, deren Wert sich aber nicht in Farben und Formen erschöpft. Sie dienen ganz praktisch als Schränke oder Anrichten und setzten als aufklappbare Dekos Akzente in der Wohnung. Kunst steht oder hängt eben nicht nur im Raum, sondern sie gestaltet den Raum, nutzt und verändert ihn.


Eine anregende Ausstellung, die neben den Objekten den Raum selbst zum Gegenstand der Betrachtung werden lässt. Wobei jeder Betrachter frei bleibt, seine eigenen Assoziationen zu entwickeln. Diese können durchaus unterschiedlich sein. Kunst regt an, aber legt nicht fest.

Die Ausstellung des Krefelder Kunstvereins ist bis 14. Januar geöffnet: mittwochs und donnerstags 16 - 19 Uhr sowie sonntags 11-13 Uhr.
www.krefelder-kunstverein.de