| 16.07 Uhr

Großes Autorentreffen

Autorentreffen
Laden zum großen Krefelder Autorentreffen ein: (v.l.) Verlegerin Barbara Düsselberg, die Leiterin des Niederrheinischen Literaturhauses Anette Ostrowski, Literaturpreisträgerin Liesel Willems und John Waszek, der Cover des Begleitbuches zum Autorentreffen mit abstrakten Zeichnungen illustriert hat. FOTO: Müller
Krefeld . Fast unbemerkt hat sich in Krefeld über Jahrzehnte eine lebhafte Literaturszene organisiert. Jetzt kommt es zum großen Autorentreffen. Von Ernst Müller

In der Fabrik Heeder treffen am Freitag, 16. November, nicht weniger als 11 Schriftsteller aus der Seidenstadt aufeinander. Ab 20 Uhr lesen sie auf der Studiobühne ihre Kurzgeschichten und Gedichte. Der Eintritt ist frei. Organisiert hat das Treffen Liesel Willems, eine der erfolgreichsten Autoren Krefelds und ausgezeichnet mit dem Niederrheinischen Literaturpreis.


Der Anlass zum Treffen ist außergewöhnlich: die Autoren wollen an ihren Mentor Klaus Ulrich Düsselberg erinnern.


Solche Mentoren gab es manche in der deutschen Literaturgeschichte. Einige sind berühmt geworden. Nach dem Zweiten Weltkrieg scharte Hans Werner Richter die damals jungen Autoren wie Günter Grass und Heinrich Böll um sich und organisierte Lesungen. Schon im 18. Jahrhundert gab es den "Dichtervater" Wilhelm Gleim, der mit Geld und weitläufigem Netzwerk zahlreiche Autoren förderte.


In Krefeld nahm bis zu seinem Tod 1997 Klaus Ulrich Düsselberg auf lokaler Ebene eine ähnlich gelagerte Rolle ein. Der Druckereibesitzer und Verleger lud bekannte Schriftsteller wie Hilde Domin oder Ulla Hahn zu Lesungen nach Krefeld ein. Vor allem bereitete er einheimischen Krefelder Literaten ein Forum und organisierte Schreibwerkstätten für junge Talente.


"Er hatte stets einen Hang zur Kunst”, erinnert seine Tochter Barbara Düsselberg. So gründete der Vater gleich nach dem Krieg in Krefeld eine Galerie und engagierte sich auch im Vorstand des Krefelder Kunstvereins. Die Liebe zur Literatur kam dazu.


"Viele haben den Eindruck, eine Literaturszene gäbe es nur in Köln oder anderen Großstädten”, bemängelt Liesel Willems. Dabei wird auch in Krefeld fleißig geschrieben. Nur leider sei die Nachfrage nach Lesungen oder Workshops seitens von Schulen oder anderen Einrichtungen überschaubar. Eine erfreuliche Ausnahme bildet das Niederrheinische Literaturhaus an der Gutenbergstraße, wo Autoren Öffentlichkeit finden und Jugendliche Workshops absolvieren können.


So kommt dem Treffen so unterschiedlicher Krefelder Autoren in der Fabrik Heeder am 16. November Bedeutung für das heimische Kulturleben zu. Selten wird man die "Einzelkämpfer”, die gern im stillen Kämmerlein verbleiben, wieder so "geballt” vorfinden.


Das Krefelder Kulturbüro und das Niederrheinische Literaturhaus haben das Treffen deshalb nach Kräften gefördert. Bleibt zu hoffen, dass auch das Publikum strömt. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.
Wer die Texte lieber liest als sie zu hören, der sei auf die entsprechende Buchpublikation unter dem Veranstaltungstitel "Wort gehalten” verwiesen. Darin sind 15 Krefelder Autoren mit ihren Werken vertreten. Das 74-seitige Buch kommt am 16. November in den Buchhandel und kostet 10 Euro.