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Traglufthalle auf dem Traarer Festplatz
Asyl: Konflikt um Standort gelöst

Großes Interesse an Bürgerversammlung zu Traarer Flüchtlingshalle
Großes Interesse an Bürgerversammlung zu Traarer Flüchtlingshalle FOTO: Samla.de
Krefeld. Der Andrang sprengte den Versammlungsraum des St. Josef-Gemeindehauses in Traar. Die Bürger wollten wissen, welche Auswirkungen die Errichtung einer Traglufthalle für 150 Asylbewerber in ihrem Dorf hat. Von Ernst Müller

"Mir selber ist auch etwas mulmig zumute", bekannte Marc Blondin. Der Vorsitzende des Traarer Bürgervereins hatte die Informationsversammlung einberufen und die Spitzen der Stadt dazu eingeladen. Immerhin hatte es im Vorfeld seitens des Schützenvereins massive Kritik am Plan der Stadt gegeben, zum Standort der Traglufthalle ausgerechnet den Traarer Festplatz auszurufen. Denn dies bedeutete das Aus für die beliebten Veranstaltungen der Schützen.

Doch gleich zu Beginn des Abends konnte Planungsdezernent Martin Linne Entwarnung geben: "Wir werden das Feld neben dem Festplatz herrichten; dort können Sie dann die Feste feiern." Damit zeigte sich Schützenvorsitzender Dr. Walter Potthast zufrieden: "Der provisorische Festplatz ist eine gute Lösung". Der Verein werde sich sogar an den Kosten der Herrichtung beteiligen, versprach er. Auch der Aufnahme der Flüchtlinge sieht der Verein zuversichtlich entgegen: "Wir Traarer werden das schon meistern", bekräftigte Dr. Potthast.

Das wird auch bitter nötig sein. Denn Stadtdirektorin Beate Zielke führte die Dramatik der Lage vor Augen: "Es kommen pro Woche rund 100 neue Flüchtlinge nach Krefeld." Über 1200 Asylbewerber hat die Stadt jetzt bereits in Wohnungen untergebracht, weitere 1000 in Sammelunterkünften und über 470 in Turnhallen. "Wir wollen aber nicht noch weitere Turnhallen beschlagnahmen", versicherte Oberbürgermeister Frank Meyer, da dies den Sport zu sehr einschränken würde. Also blieben zur Unterbringung nur noch die Traglufthallen. Eine wird in Traar errichtet, eine zweite in Hüls.

Die Hallen sind für zwei Jahre angemietet. Die Stadt hofft aber, dass sie sie bereits vorher wieder abbauen kann.

"Was machen die Menschen in der Traglufthalle den ganzen Tag"?, benannte eine Bürgerin das brennendste Problem und rief damit den neuen Flüchtlingskoordinator Dr. Hansgeorg Rehbein auf den Plan: "Es wäre verkehrt, die Menschen in der Halle zu belassen", mahnte er, "wir müssen sie sofort an die Gesellschaft heranführen." Dies könne die Stadt nicht allein leisten. Sprachkurse und Integrationshilfen könnten nur Erfolg haben, wenn sich Bürger ehrenamtlich um die Flüchtlinge kümmerten. Dazu gab Dr. Rehbein Meldeformulare aus, die rege angenommen wurden.

Allerdings räumte Sozialamtsleiter Wolfram Gottschalk auf Nachfrage ein Problem ein: In der Traarer Traglufthalle bleiben die Menschen jeweils nur einige Monate. Dann werden sie auf andere Standorte verteilt. Gottschalk: "Es wird deshalb nicht einfach sein, sie hier in Traar zu integrieren."

Dennoch kündigte Gastgeber Marc Blondin die Bildung eines Koordinierungsrates an, zu der alle Traarer Vereine eingeladen sind.

(City Anzeigenblatt Krefeld II)