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Mordfall Werner L.: Schwurgericht befragt Zeugen
Anstifter des Überfalls flüchtig

Mordfall Werner L.: Schwurgericht befragt Zeugen: Anstifter des Überfalls flüchtig
Einer der fünf Angeklagten: Vor den Pressefotografen verbirgt er sein Gesicht. FOTO: Samla
Krefeld . Im Mordfall Werner L. vernahm das Schwurgericht die Zeugen. Fünf Tatverdächtige polnischer Herkunft sind angeklagt, den Rentner im Oktober 2016 in seiner Wohnung überfallen, gefesselt und so geknebelt zu haben, dass er erstickte.  Von Ernst Müller

 

Hat sich Werner L. zu sicher gefühlt? "Sie sollen nur kommen, dann zeige ich es ihnen", gibt die Ziehtochter Äußerungen ihres ermordeten "Opas" wieder.


Die 35-Jährige mit türkischem Namen ist Zeugin im Mordprozess. Kurz vor der Tat berichtete das spätere Opfer seiner Ziehtochter, dass ihn zwei "Zigeunerinnen" in seiner Wohnung aufgesucht und ihm Putzdienste angeboten hätten.

Der Ehemann der Ziehtochter wurde hellhörig und warnte den "Opa" vor den fremden Frauen: "Ich habe ihm gesagt, er soll die Polizei holen und die Frauen nicht in seine Wohnung lassen".


 Ein guter Rat. Hat Werner L. ihn befolgt? Haben die Frauen die Wohnung ausgekundschaftet?


"Sie sah aus wie ein kleines Museum", gibt Hauptkommissar Gerhard Hoppmann vor Gericht seinen Eindruck wieder. Überall standen Kunstgegenstände und Antiquitäten. Werner L. soll sie liebevoll gepflegt haben. Vielfach war er auf Trödelmärkten unterwegs oder in Pfandhäusern. Erwarb neue Schätzchen oder verkaufte aus seinem Bestand. Selbst nach dem Überfall machte die Wohnung auf die Polizei einen "geordneten Eindruck", obgleich eine Reihe von Wertgegenständen fehlte.


War der Besuch der Frauen der Auftakt zu dem späteren Verbrechen?


Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 27-jährige Angeklagte Johann S. an der Wohnungstür von Werner L. geklingelt und sich als Lieferant ausgegeben hat. Dann seien Clanmitglied Jerzy S. und die beiden Brüder F. nachgekommen, hätten den Rentner gefesselt und ins Badezimmer gebracht, wo er erstickt ist.


"Qualvoll", wie Hoppmann hinzufügt, die Erstickung müsse lange gedauert haben. Eine Einschätzung, deren Gewissheit einer der Rechtsanwälte in Zweifel zieht: "War das Opfer ohnmächtig?", fragt der Anwalt nach. "Das kann ich nicht sagen", antwortet der Leiter der Mordkommission.


Bilder von Antiquitäten aus der Wohnung fand die Polizei später auf dem Handy eines der F.-Brüder. Außerdem führten DNA-Spuren zu Jerzy S.


Sie entstammen feinsten Hautschuppen, die am Tatort gefunden wurden. Deren Analyse ist in NRW noch kein Standard in der Polizeiermittlung. Hauptkommissar Hoppmann: "Das können nur wenige Labore". Er schaltete deshalb das Labor des LKA Hessen ein. Mit Erfolg.


Die DNA-Spuren sowie abgehörte Telefongespräche führten zu einem Umfeld, in dem mehrere Leute verdächtigt werden, an Überfällen vornehmlich auf ältere Menschen beteiligt zu sein. Als die Polizei im Januar 2017 zugriff, war gerade wieder eine solche Straftat in Planung.


Der vermutliche Anstifter des Überfalls auf Werner L., ebenfalls ein Mitglied der Großfamilie S., ging der Polizei allerdings durch die Lappen. "Er ist bis heute flüchtig", bekannte Gerhard Hoppmann.


 Über Geld verfügte Mordopfer Werner L. kaum. "Es ging ihm finanziell sehr schlecht", berichtet die Ziehtochter. Sein ehemaliges Haus war versteigert worden. Seitdem wohnte er zur Miete. Seine Rente war karg. "Er hatte über ein Jahr keinen Strom mehr", berichtet die Ziehtochter. Um abends Licht zu haben, zündete er Kerzen an. Die letzte Mietrate war er dem Vermieter schuldig geblieben.


Die Täter hatten ihr Opfer nicht nur geknebelt, sondern ihm auch ein Handtuch über den Kopf gelegt. Kommissar Hoppmann vermutet, sie hätten ihn entweder nicht ansehen können oder wollten seinen Erstickungstod beschleunigen. Nur die Täter wissen, welche Vermutung zutrifft.