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Haare helfen Kindern
Alte Zöpfe gehören nicht in den Müll

Haare helfen Kindern: Alte Zöpfe gehören nicht in den Müll
Der Zopf muss jetzt fallen: Friseurmeisterin Dunja Nieskens zückt schon die Schere. Kundin Corinna Bubacz möchte sich von ihrem langen Haar trennen, so schön es auch ist. FOTO: Müller
Tönisvorst/Krefeld. Irgendwann müssen lange Haare runter. Eine Stiftung nutzt die Mähne, um kranken Kindern zu helfen.
 
Von Ernst Müller

Corinna Bubacz verfügt über eine beeindruckende Haarpracht. Einen halben Meter lang ist ihr Zopf in vier Jahren gewachsen. "Jetzt muss er ab", entschied die junge Dame kurz entschlossen.
Für den entscheidenden Schnitt wandte sie sich an Dunja Nieskens. Denn die Friseurmeisterin und Visagistin aus Tönisvorst ist zugleich Botschafterin der Stiftung "It´s for Kids".


Diese bundesweite Stiftung unterstützt Kinder, die krank, missbraucht oder in anderer Weise in Not sind. Um Spenden zu sammeln, kam Dunja Nieskens im vorigen Herbst eine pfiffige Idee:
"Wir Friseurbetriebe sollten abgeschnittene Zöpfe nicht einfach entsorgen, sondern an die Zweithaarmanufaktur Rieswick in Velen einschicken".

Diese dankt dafür mit einem Betrag, den der Friseurbetrieb dann an die Kinderstiftung als Spende weiter gibt. Nieskens: "Somit kann jeder mit seinem abgeschnittenen Zopf noch etwas Gutes bewirken." Ulrich Bohnen, Krefelder Kurator der Stiftung, sowie der Vorstand in Hilden waren von der Idee begeistert.


Bislang sammelt der Verein bereits über eine ähnliche Initiative Spenden: Zahnärzte senden nicht mehr benötigte Kronen ein, die zu Geld gemacht werden können.
Dunja Nieskens Anregung trägt Früchte: "In Deutschland haben sich rund 400 Friseurbetriebe der Initiative angeschlossen", freut sie sich. Auch in Krefeld machen einige mit. Um die Bereitschaft zur Teilnahme zu erhöhen, stellt die Stiftung jedem Friseurbetrieb eine Urkunde aus. Die Zöpfe werden in portofreien Umschlägen verschickt, die die Stiftung zur Verfügung stellt.


Hintergrund der Aktion ist die Knappheit an Perücken aus Echthaar. Denn es fehlt am Rohstoff: "Die Depots sind leer", erklärt Frau Nieskens. Zugleich steigt die Nachfrage nach Perücken. Dunja Nieskens hat Angehörige durch Krebserkrankungen verloren. "Deshalb wurde ich auf das Problem aufmerksam."


Leider ist es nicht möglich, jedes abgeschnittene Haar zu sammeln und einzuschicken. "Damit der Zopf von der Manufaktur verarbeitet werden kann, muss er mindestens 25 Zentimeter lang sein", erklärt Frau Nieskens. Das Alter des Haares spielt hingegen keine Rolle: "Manche ältere Damen bringen mir ihre Zöpfe, die ihnen als Kind abgeschnitten wurden." Dunja Nieskens hofft auch auf kreative Aktionen von Gruppen oder Schulen: erst gemeinsam die Haare wachsen und dann abschneiden lassen.

Informationen zu "It´s for Kids" gibt es im Internet unter www.its-for-kids.de; Hotline: 0163-732 42 79 oder bei Dunja Nieskens: dunja.nieskens@gmx.de
Ein Info-Film mit Dunja Nieskens läuft auf der facebook-Seite der Stiftung.